Review Velbon Ultra Rex-i L Stativ

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In diesem Review schildere ich meine Motivation das Velbon Ultra Rex-i Stativ zu kaufen, gehe auf die technischen Details ein, schildere meinen ersten Eindruck und berichte vom ersten Urlaubseinsatz.

Kaufgrund
Bisher habe ich zwei richtige Stative länger und intensiv benutzt. Ein sehr kleines, leichtes, aber auch ziemlich labiles Giottos Stativ und ein eher solides und wertiges Gitzo Stativ. Das Giottos ist nur eine geliehene Übergangslösung gewesen, bis ich selbst den Bedarf an einem guten Stativ erkannt habe. Das Gitzo habe ich mir dann gekauft und verwende es eigentlich für alle möglichen Aufnahmen, z.B. superscharfe Innenaufnahmen bei wenig Licht, Langzeitbelichtungen mit Graufilter oder Nachtaufnahmen. Der Nachteil des Statives ist, dass es mit Kopf und Tasche schon ein Packmaß von ca. 75 cm hat. Das bekomme ich zumindest nicht mehr in meinen Koffer und so stand ich eines Tages vor der Entscheidung: neuer Koffer oder ein Reisestativ? Geworden ist es das Velbon Ultra Rex-i L — ein kompaktes Reisestativ.

Kaufentscheidung
Warum habe ich mich für dieses Stativ entschieden? Es gibt doch genug Reisestative am Markt, die alle bei Amazon mit super Bewertungen daherkommen. Meine Anforderung war auf jeden Fall, dass es klein und möglichst stabil sein sollte. Ich wollte wirklich ungern über 40cm Packmaß kommen, eher sollte es Richtung 30cm gehen. So lässt sich das Stativ dann auch noch bequem am/im Rucksack transportieren.

Die meisten Stative mit diesem Packmaß erfüllen locker meine Größenvorstellung von 1,20 m oder mehr. Zumindest für mich reicht diese Höhe bei hockender Haltung meistens völlig aus, das habe ich beim Gebrauch vom Gitzo gemerkt. Das Gewicht sollte natürlich so gering sein wie möglich. Über 1,7 kg dürfte es jedoch auf keinen Fall wiegen, sonst wird es mir zu schwer. Die Belastbarkeit war mir besonders wichtig, schließlich will ich da meine Kleinbildkamera mit schwerem Objektiv drauf schnallen. Mindestens 4 kg sollte das Stativ bzw. der Kopf da schon einigermaßen stabil halten können. Wenn ein Kopf dabei ist sollte der Schnellwechsel-Adapter außerdem Arca-kompatibel sein. Preislich hatte ich mich auf ca. 100 EUR festgelegt, mit dem Eingeständnis diese Grenze im Extremfall um ca. 30 EUR zu erweitern. Ich habe mich darauf eingestellt, dass bei dem Budget nicht viel zu erwarten ist – das ist klar.

Im Rennen waren zunächst das Sirui T-005X, das Rollei C5i, oder sogar das AmazonBasics Reisestativ. Alle glänzten durch sehr kompakte Abmessungen und einem mitgeliefertem Kugelkopf, der beim Sirui sogar ziemlich gut sein soll. Alle diese Stative sehen sich erstaunlich ähnlich und sind wahrscheinlich bis auf das Label und ein paar Kleinigkeiten identisch. Einfache Recherche führte zu Tage, dass viele Leute mit dem Stativen zufrieden sind. Von diesen Leuten sind aber auch viele Stativ-Erstbesitzer (und haben damit keine Vergleichsmöglichkeit) oder benutzen eine leichte System- oder Kompaktkamera. Noch intensiveres Suchen förderte dann auch einige negative Kritiken zu Tage, gerade hinsichtlich der Stabilität. Gleichzeitig wurde ich auf das Velbon Ultra Rex-i (alternative Schreibweise: Rexi) aufmerksam. Bei diesem wurde gerade mein Hauptkriterium, die Stabilität, immer wieder gelobt. Gleichzeitig war es noch kompakt genug…

Eigenschaften
Das Ultra Rexi hat ein Packmaß von 36 cm und erreicht eine maximale Höhe von 154 cm (ohne/mit Mittelsäule). Es wiegt 1,3 kg und ist mit einer maximalen Belastung von 6 kg angegeben. Die Stativbeine haben 5 Segmente und enden mit Gummi-Füßen. Eine Tasche befindet sich im Lieferumfang. Der günstigste Preis liegt zwischen 120 und 130 EUR (Stand: Januar 2015).

Zu beachten ist, dass das Stativ ohne Kopf schon 36 cm Packmaß hat. Es ist also schon merkbar größer als z.B. das oben genannte Sirui. Den Kopf muss man außerdem zusätzlich kaufen, was wieder etwas mehr kostet. Gleichzeitig kann man sich sein Stativ so noch besser auf seine Wünsche anpassen. Mit Stativkopf beträgt das Packmaß gute 45 cm, also in etwa genau dem was ich mir als Maximum zum Reisen vorgestellt habe.

Erster Eindruck
Der Karton ließ mich erstmal durchatmen. “Oh, sind die 36 cm Stativ doch so groß?” dachte ich mir. In dem Karton befindet sich die Tasche, die das Stativ enthält, und die ebenfalls größer wirkt als gedacht (siehe Fotos). Als ich dann das Stativ rausgeholt habe war ich erleichtert. Es ist in der Tasche nur genug Platz gelassen worden, um das Stativ mit einem großen Kopf zu transportieren. Ingenieure, die mitdenken – so etwas mag ich. Das Rexi selbst ist klein genug für meinen Koffer. Selbst mit Tasche passt es rein. Meinen Kugelkopf nehme ich aber lieber mit ins Handgepäck.

Insgesamt wirkt das Rexi gut verarbeitet. Es wurde viel Metall verwendet und es wirkt, bis auf ein wenig Spiel hier und da, insgesamt robust und stabil. Die Gelenke zum Bewegen der Beine funktionieren tadellos und erfordern einen gut dosierten Kraftaufwand. Die Mittelsäule lässt sich einfach durch einen flachen Hebel verstellen und fixieren. Sie lässt sich zudem aufteilen, in eine ausfahrbare Mittelsäule und eine Mini-Mittelsäule, die sich dann nicht mehr ausziehen lässt. Die Gewinde der Bein-Drehverschlüsse fassen sich gut an und lassen sich präzise kontrollieren. Das Besondere am Rexi ist, dass es nur zwei Drehverschlüsse pro Bein gibt, sich hinter dem untersten Drehverschluss jedoch ganze vier Beinsegmente verstecken. Das liegt an einer einfach wie genialen Konstruktion, die die Beine ineinander verdreht und somit fixiert (siehe Fotos).

Beim Drehen des Verschlusses merkt man jeweils einen kleinen Widerstand, der ein weiteres Bein löst und ausziehbar macht. Dabei werden die Beine von unten nach oben gelöst, also das niedrigste Bein zuerst. Möchte man das unterste Segment aus Stabilitätsgründen nicht benutzen, so muss man erst alle Segmente ausfahren und anschließend das unterste Segment wieder einfahren. Hat man zwei Hände frei, z.B. wenn das Stativ liegt, kann man auch die jeweiligen anderen Beine fixieren und so gezielt Segmente ein und ausfahren. In der Praxis hat man aber selten ein liegendes Stativ, daher ist das aber glaube ich nicht wirklich machbar. Unterm Strich erachte ich diese Konstruktion aber dennoch als clever. Letztlich erfordern nur zwei Drehverschlüsse auch deutlich weniger Packmaß als fünf Einzelverschlüsse. Nach kurzer Gewöhnung an den Mechanismus lassen sich die Beine gut ein und wieder ausziehen.

Praxiseinsatz
Nun aber genug der Theorie und der praxisfernen Anwendung zu Hause. Raus gehts und ab in den Urlaub nach Teneriffa. Lange belichtete Nachtfotos auf der schönen Insel waren schließlich der Hauptgrund, warum ich das Stativ eingekauft habe. Wie oben bereits erwähnt passte das Stativ ohne Kopf problemlos in meinen kleinen Koffer. Auf die lange Mittelsäule habe ich dabei verzichtet, denn die brauche ich nicht. Am Urlaubsziel angekommen habe ich dann eben den Kopf drauf geschraubt und mit dem mitgebrachtem Inbus fixiert.

Während des Urlaubs konnte ich mich gut mit dem Rexi arrangieren. Auf Grund des verhältnismäßig günstigen Preises und der soliden Aufmachung hat es auch ein paar wilde Serpentinenfahrten im Kofferraum des Mietwagens mitmachen dürfen. Und auch sonst wurde es wenig gepflegt und gehegt, sondern war zu hundert Prozent ein Werkzeug und immer einsatzbereit. Es ist also wirklich so robust wie es aussieht und macht viel mit.

Tagsüber und bei mäßigem Wind konnte ich gut mit dem Rexi umgehen. Es war dank seiner kompakten Bauweise immer griffbereit und in akzeptabler Geschwindigkeit aufgebaut. Es stabilisierte meine Kamera sicher und ich konnte einige durchdacht gestaltete Aufnahmen, z.B. auch mit Graufiltern oder Grauverlaufsfiltern, machen. Nachts, wenn die Belichtungszeiten dann noch länger werden, war es leider in der Hochebene auch etwas windiger (geschätzt Windstärke 5-6, in Böhen 7-8). Beim Rexi hatte ich auf sandigem Untergrund deswegen nur den obersten Bein-Auszug benutzt und mich daneben gekniet. Die lange Mittelsäule hatte ich ja sowieso nicht dabei, sie war also entsprechend auch nicht in Gebrauch. Trotz der geringen verwendeten Stativhöhe hat so manche Böe mir vereinzelnd längere Belichtungszeiten (zwischen 15 und 90 s) kaputt gemacht. Im reingezoomten Live View konnte man die einzelnen Böen gut nachvollziehen. Das ist Schade, aber man geht bei der Größe und dem Gewicht eben Kompromisse ein. Dazu kommt, dass ich das kleine Rexi auch ordentlich belastet habe, was es natürlich besonders anfällig für Wind und Schwingungen macht, und es auf dem weichen Sandboden nur wenig Halt finden konnte. Insgesamt ist die Stabilität für mich zufriedenstellend, aber bei extremeren Situationen darf man trotzdem keine Wunder erwarten. In der Praxis habe ich bei einem leicht verwackeltem Bild einfach noch mal ausgelöst oder das Stativ in meinen Windschatten gestellt, denn bei wenig Wind steht das Rexi ja super da. Ein Vergleich mit anderen Stativen unter diesen Bedingungen würde mich mal interessieren…

Im praktischen Einsatz in der Hochebene bemerkte ich außerdem, dass das Stativ ein paar Schwierigkeiten mit Temperaturschwankungen hat. Nach ein paar Wechseln zwischen der 0 Grad kalten, windigen Berglandschaft und dem 20 Grad warmen Auto ließen sich die Beine kurzzeitig nicht mehr ganz so kontrolliert lösen und einstellen, wie gedacht. Es hat hier und da mal etwas gehakt oder lies sich etwas schwieriger lockern als sonst. Hinzu kommt, dass man mit halb abgefrorenen Händen auch nicht mehr die nötige Feinmotorik aufbringen kann, um die Beine zielgerichtet zu bedienen. Insgesamt hätte ich hier öfter mal eine dritte Hand gebrauchen können, die eines der Beine gegen das unbeabsichtigte Verdrehen schützt. Ein weiterer Nachteil von dem innovativen Drehsystem ist, dass man sich gerne mal die Finger klemmt, wenn man die Gummiverschlüsse zu weit oben anfasst und das Stativ zusammenschiebt. Die Beine am unteren Ende anfassen möchte man aber auch nicht immer, gerade wenn das Stativ z.B. im Dreck gestanden hat. Als Normal-Fotograf kann man mit den kleinen Nachteilen in der Bedienung aber glaube ich ganz gut leben.

Fazit
Das Velbon Ultra Rexi ist meiner Meinung nach ein sehr kompaktes, robustes und vielseitiges Stativ. Schwächen sehe ich bei dem etwas gewöhnungsbedürftigen Beinauszug, der vom Nutzer im Verhältnis zu etablierten Beinverriegelungen etwas mehr Geschick erfordert und ein paar kleine Nachteile mit sich bringt. Außerdem habe ich eine abnehmende Stabilität bei extremeren Windverhältnissen beobachtet, die aber bei geringerer Belastung und auch bei normalerem Wetter nicht auffallen. Unterm Strich ist das Rexi aber auf jeden Fall ein Stativ, das ich bedenkenlos jedem Fotofreund empfehlen kann.

Tipp
Das Rexi lässt sich auch einer kleinen Schlankheitskur unterziehen, wenn man ganz auf eine Mittelsäule verzichten kann und den Kopf nur selten abmontieren möchte. Informationen dazu gibt es im DSLR Forum. Dort findet man auch ein weiteres, interessantes Review zum Rexi (Link).

Fotos vom Stativ